eSport im Bundestag

Ein First Person Résumé zum Diskussionsforum "eSports in Deutschland - Perspektiven und Potentiale" der SPD Bundestagsfraktion.


Liebe Leipzig eSports Freunde!

Auf die Einladung von Lars Klingbeil, Abgeordnetem im Bundestag, bin ich gestern nach Berlin gefahren um bei einem der ersten politischen Diskurse dieses Wahljahres zum Thema eSport im Podium zu sitzen und aus Vereinsperspektive Rede und Antwort zu stehen. Wer unseren Instagram-Account verfolgt hat, konnte bereits einige Impressionen aus meiner Sicht erhalten. Nun, nachdem ich eine Nacht darüber schlafen konnte, möchte ich euch gern nochmal meine persönliche Zusammenfassung des gestrigen Tages geben.

Die Vorbereitung

Da ich keinen Redebeitrag hatte, sondern Panel-Mitglied der Podiumsdiskussion war, gestaltete sich die Vorbereitung etwas schwierig. Ich konnte nicht einfach eine Präsentation basteln, an der ich mich dann entlang hangle, sondern musste mir überlegen, welche Fragen kommen könnten und wie ich darauf reagieren würde. Daher habe ich mir 2 Kernpunkte vorgenommen, die ich im Laufe meiner Redezeit primär vermitteln wollte.

  1. Graswurzelprojekte vs kommerzielle Organisationen: Oft wird zur Thematik "eSport Förderung" das Argument gebracht, dass der eSport eine milliardenschwere Branche ist und doch gar keine Förderung nötig hätte. Daher war es mir sehr wichtig, dass wir ehrenamtliche Organisationen getrennt von kommerziellen Organisationen wahrgenommen und ernst genommen werden.
  2. Förderwürdigkeit > Sport: Ob eSport ein Sport ist, hängt sehr von der Definition des Sportbegriffs ab und ist eine Diskussion, die ich den Experten überlassen möchte. Was für mich indiskutabel ist, ist die Förderwürdigkeit des eSports, wie wir als Ehrenämtler ihn angehen. Wenn Fußball spielen förderwürdig ist, und Klavier spielen förderwürdig ist, dann sollte auch Computer spielen förderwürdig sein.

Ankunft und Auftakt

Ich hatte mich bereits im Vorfeld mit Martin Müller von Madgeburg eSports e.V., Hans Jagnow vom 1. Berliner eSport-Club e.V. und Vertretern des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) getroffen, mit denen es dann auch gemeinsam durch die Sicherheitskontrollen des Bundestags ging. Wie eine Touristengruppe wurden wir durch diverse Glastüren und Fahrstühle in die Fraktionsebene und den Raum der Diskussion geleitet. Während die anderen an den Besuchertischen Platz nahmen, durfte ich mich zu meinem mit Namensschild markierten Platz im Podium leiten lassen. Da wartete auch schon Herr Klingbeil, um mich mit Schokolade zu begrüßen. (Warum nochmal? Darum!). Nachdem ein paar wichtige Hände geschüttelt und einführende Worte gesprochen waren, ging es dann los mit Impulsreferaten von Arne Peters (ESL), Robert Müller von Vultejus (Lagardère Sports Germany) und Moritz Beckers-Schwarz (FC Schalke04).

Die Diskussion

Der Aufgabe, die volle inhaltliche Breite der dreistündigen Diskussion hier wiederzugeben, könnte ich nicht gerecht werden. Es waren sehr viele wichtige Redebeiträge, von denen ich keinen vernachlässigen möchte und lege jedem das VOD der Veranstaltung nahe. Zwei Kernaussagen habe ich aber herausgesucht, die mir persönlich sehr gefallen haben und die ich hier unkommentiert wirken lassen möchte:

Ich vermute sehr stark, dass eSports in der Kreisliga ankommen [muss], um tatsächlich auch unter diesem Begriff ["Mitte der Gesellschaft"] geführt zu werden.

- Saskia Esken, Stellvertretende Sprecherin der AG Digitale Agenda der SPD Bundestagsfraktion.

und

Besser [als ein Umfeld, in dem eine Faszination für Gaming Befremdung auslöst] ist ein Umfeld, in dem Jugendliche sich in ihrem Bedürfnis ernst genommen fühlen, und in dem Schnittstellen für Kommunikation entstehen.

- Brief eines Schulleiters, welcher von J. Peter Lemcke, Gründer der Deutschen Games Schulmeisterschaft, verlesen wurde.

Die Büchse der Pandora

Fast am Ende der Diskussion kam der Moment, gegen den sich wahrscheinlich alle Redner gewappnet haben, aber keiner wäre traurig gewesen, wäre das Thema nicht zur Sprache gekommen: "Was ist eigentlich mit CS:GO?". Die Frage richtete sich konkret an Herrn Beckers-Schwarz vom FC Schalke04, der auch eine diplomatische Antwort parat hatte. Nämlich, dass das Story-Telling des Egoshooters sehr umstritten ist und man dieses Spiel daher derzeit nicht im Programm habe. Mir war die Aussage, dass es bei Counter-Strike darum ging, Terroristen vom legen einer Bomber abzuhalten, zu eindimensional und ich habe die Gelegenheit noch einmal genutzt mich zu Wort zu melden. Die Klarstellung, dass es beim eSport CS:GO nicht um die Story, sondern um taktische Elemente und extrem hohe Reaktionsgeschwindigkeit und Präzision geht, und sich genau in diesen Kriterien und nichts anderem sportlich gemessen wird, wurde wie ich hörte im Periscope Chat sehr gut aufgenommen. Auch Hans Jagnow vom 1.BeSC unterstützte den Ansatz und betonte nochmal, wie wichtig Vereine beim Thema Jugendschutz sind. Dafür gab es noch einmal Beifall und das "Übel der Welt" wurde wieder in die Büchse der Pandora zurück gedrängt - zumindest für diese Diskussion.

Das Résumé

Der Zusammenfassung von Herrn Klingbeil kann ich mich uneingeschränkt anschließen. Die Diskussion war sehr konstruktiv und sachlich und wurde sehr gut von Frau Esken moderiert. Es ist auch sehr wichtig, dass die angefangenen Gespräche weiter geführt werden. Ich persönlich finde aber, dass kommende Gespräche mit mehr Kontroverse geführt werden müssen. Das Teilnehmerfeld bei dieser Veranstaltung war sehr homogen und wenn man fast nur Befürworter des eSports an einen Tisch setzt, treten selbstredend sehr wenige Reibungspunkte auf. Gerade diese Reibung mit bestehenden Strukturen müssen wir aber aktiv in Kauf nehmen, um neu gestalten und weiter entwickeln zu können. Daher hoffe und freue ich mich auf viele weitere Debatten mit viel Reibung, aber am Ende mit zufriedenstellenden Ergebnissen für alle Seiten. Vielen Dank, Herr Klingbeil, dass Sie diese Veranstaltung möglich gemacht haben.

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